Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) bleibt trotz der teilweise großen Hitze in den vergangenen Wochen bei seiner bisherigen Ernteschätzung. Erwartet werden - wie im Mai - rund 44,1 Mio. Tonnen Getreide und 4,2 Mio. Tonnen Raps. Der DRV begründet sein Festhalten an diesen Werten mit dem Hinweis, dass es nahezu flächendeckend ausreichend geregnet habe. Die vom DRV prognostizierte Getreidemenge liegt leicht über dem langjährigen Durchschnitt, jedoch 2,6% unter dem Vorjahresniveau. Das angepeilte Rapsaufkommen wäre 4,7% größer als 2025. DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler lenkte den Blick auf die Erschließung neuer Marktchancen als wichtigen Baustein für die nachhaltige Stärkung des deutschen Ackerbaus. Die Nachfrage nach Getreide in Deutschland stagniere, während weltweit der Bedarf steige. Dafür sorge das globale Bevölkerungswachstum und der dadurch wachsenden Bedarf an Lebens- und Futtermitteln. "Deutschland ist ein Gunststandort für den Getreide- und Rapsanbau mit stabilen Erträgen in Mengen und Qualität", so Seedler. Diese Stärke sei mit einer Verantwortung verbunden und müsse erhalten bleiben. Umso mehr sei es besorgniserregend, dass die heimischen Betriebe zunehmend unter Druck geraten, so Seedler. Die Produktionskosten gingen kontinuierlich nach oben, während die Erzeugerpreise nicht Schritt hielten. Ohne neue Absatzmöglichkeiten und eine verlässliche Energiepolitik drohe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Getreidewirtschaft zu erodieren. "Das darf nicht passieren, denn eine leistungsfähige Getreidewirtschaft ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevant", warnte der Marktexperte. Ausdrücklich begrüßt der DRV die Anstrengungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums, den Zugang zu internationalen Märkten auszubauen. Ein wichtiger Erfolg sei beispielsweise die Öffnung des indonesischen Markts für deutschen Weizen. Das nächste große Ziel ist für den Raiffeisenverband die Öffnung des chinesischen Markts für deutsche Gerste und Weizen. Neue Impulse für die Verhandlungen dürfte Mitte Juni die China-Reise von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bringen. Klare Perspektiven für Energiepflanzen Der DRV fordert außerdem eine klare Perspektive für die energetische Nutzung agrarischer Rohstoffe. Die jüngste Anhebung der Treibhausgasminderungsquote für Biokraftstoffe sei ein Schritt in die richtige Richtung. Doch das reicht aus Sicht von Seedler nicht aus: "Wir brauchen eine langfristige Strategie, die heimische Rohstoffe einbindet und Investitionssicherheit schafft". Vor allem die Betreiber von Biogasanlagen, von denen viele vor dem Auslaufen ihrer Förderung stünden, brauchten klare Zukunftsperspektiven. Seedler setzt insbesondere auf Biomethan, das flexibel eingesetzt werden könne, die regionale Energieversorgung stärke und für zusätzliche Wertschöpfung in ländlichen Räumen sorge. Deshalb müsse die Politik jetzt die richtigen Weichen stellen. "Die heimische Getreideproduktion zu stärken heißt, die Resilienz Deutschlands im Ernährungs-, aber auch im Energiebereich zu stärken", betonte Seedler. Das müsse ein strategisches Ziel der Bundesregierung sein. AgE






