Auf den mittel- und nordeuropäischen Schlachtschweinemärkten sind die Preise mitten in der Grillsaison und kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft zuletzt weiter abgerutscht. Das war laut Marktbeobachtern eine Reaktion auf den weiter sehr schwierigen Fleischmarkt mit kleinen gehandelten Warenmengen, viel Lagerware und einer großen innereuropäischen Konkurrenz vor allem aus Spanien. Dort konnten sich die Erzeuger allerdings über leicht gestiegene Preise freuen. In Deutschland senkte die Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ihren Leitpreis am Mittwoch (10.6.) auf 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG). Reduzierte Schlachtungen hätten das Schlachtschweineangebot erhöht und den Markt damit ins Ungleichgewicht gebracht, erläuterte die VEZG. Dem daraus resultierenden Preisdruck habe man nicht ausweichen können. Ferkelpreis um acht Euro gefallen Das Abrutschen des Schlachtschweinepreises wirkte sich auch auf VEZG-Notierung für Ferkel aus. Diese wurde am Freitag um 8,00 Euro auf 40,00 Euro pro Tier gesenkt. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) berichtete, dass die Schlachtungen aufgrund des sehr schwierigen Fleischmarktes und der großen innereuropäischen Konkurrenz deutlich zurückgefahren worden seien. Der Handel mit Schweinefleisch sei mehr als ausreichend versorgt, auch weil Fleischteile aus dem europäischen Umfeld preisgünstig angeboten würden und Lagerware aufgrund des Datums in den Verkauf gebracht werden müsse. Zudem fielen die gehandelten Warenmengen eher klein aus. Effekt auf Nachbarländer Der Preisrückgang in Deutschland zog auch die Notierung in Österreich "in die Tiefe". So begründete zumindest der Österreichische Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) am Mittwoch die Zurücknahme seiner Notierung um ebenfalls 10 Cent auf nun 1,52 Euro/kg SG. Weil auch in Österreich das Angebot die Nachfrage übersteige und die Schweinefleischlager weiter voll seien, habe man den Preisrückgang nicht abwehren können. Auch in Belgien und Dänemark zeigten sich die nationalen Schweinefleischmärkte zuletzt schwach. Die belgische Danis-Gruppe zahlt in der laufenden Woche 1,12 Euro/kg Lebendgewicht (LG) und damit 6 Cent weniger als in Kalenderwoche 23. DC hat attraktive Drittstaatenmärkte Bei Danish Crown (DC) gibt es in der laufenden Woche zwar noch unverändert umgerechnet 1,29 Euro/kg SG. Für die kommende Kalenderwoche fixierte der dänische Schlachtkonzern seine Notierung jetzt aber bei umgerechnet 1,19 Euro/kg SG. Zur Begründung gab es einen Verweis auf den aktuell schwachen Fleischmarkt. Insbesondere bei Schinken und Vorderkeulen mit Knochen sei derzeit kein gewinnbringender Absatz möglich. Gleichzeitig versuchten die Verkäufer, große Mengen an Frischfleisch auf den europäischen Markt zu bringen. Besser als in der EU läuft es im Drittstaatenexport von DC. Insbesondere Australien bleibe ein attraktiver Exportmarkt, so der Konzern. Stillstand in Frankreich und Italien Am Marche Marché du Porc Français blieb die Schlachtschweinenotierung zuletzt - mit minimal positiver Tendenz - nahezu stehen. Gezahlt werden jetzt 1,435 Euro/kg SG, gegenüber zuvor 1,434 Euro/ kg SG. Auch in Italien kann die jüngste Preisveränderung eher als Seitwärtsbewegung interpretiert werden, nachdem die Notierungen zuvor Wochen lang gefallen waren. Frei vermarktete Schlachtschweine mit einem Gewicht von 138 bis 156 Kilogramm werden derzeit für 1,339 Euro/kg LG gehandelt, nach einer Preisspanne von 1,330 Euro bis 1,340 Euro/kg LG in der Vorwoche. Für Vertragsschweine derselben Gewichtsklasse werden jetzt 1,461 Euro/kg LG gezahlt. In der Woche zuvor hatte die Preisspanne bei 1,456 bis 1,466 Euro/kg LG gelegen. Angebot in Spanien inzwischen knapp In Spanien können sich die Erzeuger derweil über geringfügig steigende Preise freuen. So legte die Notierung beispielsweise an der Agrarbörse von Bellpuig westlich von Barcelona in der laufenden Woche um 2 Cent auf 1,31 Euro/kg LG zu. Analysten erklären das mit einem inzwischen knapperen Angebot. Infolge des zu Jahresbeginn rückläufigen Ferkelangebotes gingen die Stückzahlen der Schlachttiere nun zurück. Gleichzeitig entwickelten sich die Schlachtgewichte leicht rückläufig. Spaniens Exportmenge gewachsen Profitieren dürfte die Branche auch von dem weiter umfangreichen Export. Zu diesem hat der Brandenverband Interporc kürzlich neueste Zahlen vorgelegt, die sich allerdings auf das erste Quartal 2026 beziehen. Demnach hat Spanien in den Monaten Januar bis März trotz der Lieferrestriktionen infolge des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) insgesamt 724.900 Tonnen Schweinefleisch ins Ausland geliefert; das waren 1,6% mehr als im Vorjahreszeitraum. Umsatzmäßig gingen die Ausfuhren allerdings um 14,8% auf 1,89 Mrd. Euro zurück. Hauptabnehmer blieb China, obwohl die Volksrepublik mit 116.200 Tonnen fast ein Fünftel weniger spanisches Schweinefleisch abnahm als im Vergleichszeitraum 2025. Europäische Kunden gewannen kräftig an Relevanz für die Spanier. Beispielsweise wurden die Lieferungen nach Italien um ein Fünftel auf 86.100 Tonnen ausgebaut, die Lieferungen nach Frankreich um 3,6% auf 73.100 Tonnen und nach Polen um 42,4% auf 34.900 Tonnen. Die Verkäufe nach Deutschland übertrafen mit 18.685 Tonnen der Vorjahreswert laut Interporc um 0,6%. Massive seuchenbedingte Einbußen mussten die Spanier im ersten Quartal 2026 auf den Philippinen, die ihren Markt inzwischen wieder geöffnet haben, in Japan und Malaysia sowie in Taiwan hinnehmen. EU-Durchschnittspreis nahezu unverändert Auf EU-Ebene trat der Schlachtschweinepreis zuletzt auf der Stelle. In der Woche zum 7. Juni wurden Schlachtschweine der Handelsklasse E in den meldenden Mitgliedstaaten laut Angaben der EU-Kommission durchschnittlich für 160,39 Euro/100 kg SG gehandelt. Gegenüber der Vorwoche entsprach das einem Rückgang um 0,02%. Das Niveau des Vorjahres wurde allerdings weiterhin deutlich um 24,3% unterschritten. Die Veränderungsraten in den einzelnen Ländern reichten von plus 3,2% in Rumänien bis minus 3,2% in Litauen. In Dänemark gab es einen Aufschlag von 0,7%. In Polen und Portugal wurden jeweils 0,5% mehr gezahlt, während die Notierungen in Spanien und den Niederlanden jeweils weitgehend konstant blieben. Deutschland meldete einen Abschlag von 0,4%. In Frankreich ließ die Notierung um 0,6% nach, in Belgien um 0,9%. AgE






