Obwohl der Pflanzenschutzmarkt 2025 gewachsen ist und der Düngemittelabsatz in der Saison 2024/25 ebenfalls leicht zuzulegen konnte, blickt der Industrieverband Agrar (IVA) mit Sorgen in die Zukunft. Die Skepsis begründete IVA-Präsident Michael Wagner am Dienstag (28.4.) bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in Frankfurt mit den fortdauernden regulatorischen Unsicherheiten beim Pflanzenschutz, gepaart mit den Auswirkungen hoher Energiepreise auf die Düngermärkte. "Was die Politik jetzt schaffen muss, sind stabile und vorhersehbare Rahmenbedingungen", steht für Wagner vor diesem Hintergrund fest. Nach seinen Angaben ist der Nettoinlandsumsatz auf dem deutschen Pflanzenschutzmarkt 2025 nach zwei deutlich rückläufigen Jahren gegenüber 2024 um 4,3% auf 1,273 Mrd. Euro gewachsen. Befeuert wurde diese Entwicklung demnach von den Herbiziden, bei denen der Umsatz um 18,6% auf 606 Mio. Euro zulegte. Dies hing vor allem mit vorgezogenen Käufen des Handels zusammen. Rückläufig war laut dem IVA-Präsidenten hingegen der Umsatz mit Fungiziden; hier sanken die Erlöse um 4,9% auf 451 Mio. Euro. Noch stärker ging im Jahresvergleich der Umsatz mit Insektiziden zurück, nämlich um 7,2% auf 129 Mio. Euro. Negativ bemerkbar machte sich bei den Insektiziden laut Wagner insbesondere der Wegfall bewährter Wirkstoffe, ohne dass Alternativen auf den Markt kamen. Regulierung stranguliert Innovation Aus Sicht von Wagner ist die "strangulierende Regulierung in Deutschland und der EU" weiterhin das größte Hemmnis für innovative Lösungen im Pflanzenschutz: "Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht auf eine fast 20 Jahre alte EU-Verordnung zurück, die weltweit die strengsten Kriterien für Pflanzenschutzmittel einführte, aber Planbarkeit bei der Markteinführung neuer Pflanzenschutzmittel versprach." Heute gebe es allerdings statt Innovation nur Stillstand, kritisierte der IVA-Präsident. Seit 2019 sei gerade einmal ein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff in der EU genehmigt worden, berichtete er. In Deutschland sieht Wagner leichte Fortschritte, weil es den Behörden gelungen sei, den Zulassungsstau von Pflanzenschutzmitteln bei den einfacheren Verfahren abzubauen, an denen Deutschland als beteiligter Mitgliedstaat mitwirke. Gelöst sei das Grundproblem damit aber nicht. Auch Zulassungsanträge, die Deutschland federführend bearbeite - so genannte ZV1-Anträge -, müssten in Zukunft effizient und fristgerecht umgesetzt werden. "Deutschland muss wieder ein attraktiver Zulassungsstandort in Europa werden", so Wagners Forderung. Das dürfte allerdings ohne klare Zuständigkeiten nicht zu erreichen sein, zeigte sich Wagner überzeugt. Es dürfe nur eine Behörde geben, nämlich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in enger Zusammenarbeit mit den gleichberechtigten Bewertungsbehörden entscheide. Dass dem Umweltbundesamt (UBA) bis heute ein Veto-Recht zukomme, sei ein "Webfehler im Pflanzenschutzgesetz", der dringend korrigiert werden müsse. Aus historischem Tief heraus Über den Düngemittelmarkt informierte IVA-Vizepräsident Marco Fleischmann. Ihm zufolge wuchs der Stickstoffabsatz in der Düngesaison 2024/25 um 3,8% auf 1,137 Mio. Tonnen. An Kali wurden 340.350 Tonnen verkauft, was einem Plus von 7,3% entspricht. Die Kalkdünger legten deutlich um 28,2% auf 3,18 Mio. Tonnen zu, während der Phosphat-Absatz nach dem starken Zuwachs im Vorjahr um 1,7% auf rund 140.000 Tonnen zurückging. Fleischmann wollte aber in der Grundtendenz nicht von Wachstum sprechen, eher von einer "überfälligen Korrektur". Der IVA-Vizepräsident forderte faire Wettbewerbsbedingungen für die deutschen und europäischen Düngemittelhersteller. Der CO2-Fußabruck der einheimischen Hersteller sei heute nur halb so groß wie der russischer Anlagen. Deshalb sei es unerlässlich, an Maßnahmen wie dem Grenzausgleichsmechanismus für Kohlenstoffemissionen (CBAM) und dem Zollsatz für die meistbegünstigten Länder (MFN) festzuhalten. CBAM-Gelder auch für Landwirte Darüber hinaus schlug er vor, den Landwirten einen „fairen Anteil“ an den neuen Einnahmen wie den CBAM-Gebühren zukommen zu lassen. Nach Ansicht von Fleischmann sind in der Düngerbranche weitere Treibhausgasminderungen möglich, etwa durch Inhibitoren, das Precision Farming sowie "grüne und blaue Düngemittel", die emissionsreduziert produziert werden. IVA-Vizepräsident Fleischmann hob hervor, dass sich Europa weitgehend selbst mit Düngemitteln versorgen könne, aber verwundbarer geworden sei. Die Straße von Hormus habe zwar nahezu keine Bedeutung für den europäischen Düngermarkt, da aktuell beispielsweise viel Harnstoff aus Algerien und Ägypten importiert werde. Dennoch verteuere der Nahost-Konflikt weltweit die Preise. Es zeige sich, dass die verstärkte Abhängigkeit von Krisenregionen wie Russland und dem Mittleren Osten geopolitisch riskant sei. AgE






