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Große Verwerfungen auf den Märkten

|   markttipps

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran haben für erhebliche Turbulenzen auf den Märkten gesorgt. In Europa stiegen zum Wochenbeginn die Preise für Erdöl und Erdgas deutlich an. Auch die Rapsnotierungen legten am Montag zu. Die Sperrung der Straße von Hormus zeige, wie vulnerabel der globale Agrarhandel ist, sagte Dr. Bettina Rudloff von der SWP gegenüber AGRA Europe.

 

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten sorgt weltweit für erhebliche wirtschaftliche Turbulenzen. Infolge der Luftangriffe von USA und Israel auf Ziele im Iran am Samstagmorgen (28.2.) kam es zu massiven Verwerfungen auf den globalen Energie- und Agrarmärkten. Die Regierung in Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf mehrere Staaten der Region und kündigte darüber hinaus an, die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr sperren zu wollen. Während die strategisch bedeutende Meerenge, abgesehen von ihrer Rolle für die regionale Versorgung, für den globalen Agrarhandel nur von begrenzter Relevanz ist, besitzt sie für die weltweite Energieversorgung eine herausragende Bedeutung. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) werden rund 30% des weltweit auf dem Seeweg transportierten Erdöls durch dieses Nadelöhr verschifft. Ähnliches gilt für Erdgas: Etwa 20% des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) passieren die Straße von Hormus, vor allem Lieferungen aus dem wichtigen Produktionsland Katar. Auch wenn Katar für die europäische LNG-Versorgung eine eher untergeordnete Rolle spielt, schnellte dennoch der für Europa maßgebliche Gaspreis am niederländischen Handelspunkt TTF auf bis zu 46 Euro je Megawattstunde hoch, was einem Plus von 45% gegenüber der Vorwoche entspricht. Die Rohölsorte Brent legte ebenfalls um über 10% auf zeitweise 82 US-Dollar beziehungsweise 70 Euro je Barrel (159 Liter) zu. Rapspreise legen zu Da Biokraftstoffe ein Substitut für fossile Kraftstoffe sind, gab es auch am Rapsmarkt Auswirkungen, erklärte der Marktexperte Jost Schliep von der Agravis Raiffeisen AG gegenüber AGRA Europe. Die Notierung von alterntigem Raps (Laufzeit Mai 2026) überschritt an der europäischen Leitbörse Euronext am Montag zeitweise die Marke von 500 Euro je Tonne. Bis 18:00 pendelte sich der Frontmonat dann bei 495 Euro je Tonne ein, was ein Plus von 1,6% gegenüber dem Vorwochenschluss bedeutet. Für den Rapspreis stabilisierend dürfte zudem die Ankündigung Chinas gewirkt haben, die Antidumpingzölle auf kanadisches Canola zu senken. Auch die Düngerpreise dürften Schliep zufolge wegen der gestiegenen Gaspreise „explodieren“. Wie lange die Handelsverwerfungen andauern werden ist nach seiner Einschätzung dagegen derzeit völlig unklar. Wie nicht zuletzt der Krieg Russlands gegen die Ukraine gezeigt habe, sei es kaum möglich, vorherzusagen, wie lange ein solcher Konflikt anhalte. Globale Versorgung ist vulnerabel Die Sperrung der Straße von Hormus weist nach Einschätzung der Agrarökonomin Dr. Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) auf die "generelle Vulnerabilität globaler Versorgung mit Nahrungsmitteln jenseits der Handelspolitik hin". "Der britische Think Tank Chatham House identifizierte bereits 2017 die Meerenge als einen von 8 Flaschenhälsen für globalen Nahrungsmittelhandel, insbesondere für die Reisversorgung in der Region", sagte Rudloff gegenüber AGRA Europe. In der öffentlichen Debatte über Handelspolitik liegt ihr zufolge der Fokus derzeit stark auf Zöllen und möglichen Gegenmaßnahmen. "Das darunter liegende Gerüst des physischen Transports, der auch im Agrarhandel zum Großteil maritim erfolgt, sollte dabei nicht vergessen werden,", warnte Rudloff. Eine Studie der SWP empfehle daher, bestehende Anfälligkeiten in einem Monitoringsystem deutlich systematischer als bislang zu erfassen, erläuterte Rudloff. Und zwar im Hinblick auf unterschiedliche Risikofaktoren wie politische Konflikte und Kriege ebenso wie Naturereignisse. Zudem sollten die wirtschaftlichen Kosten durch Lieferverzögerungen oder steigende Versicherungsprämien klar identifiziert und politische Gegenmaßnahmen strategisch vorbereitet werden. Dazu zählten auch langfristig angelegte Kooperationen mit relevanten Anrainerstaaten, so die Agrarökonomin von der Stiftung Wissenschaft und Politik. AgE

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