• RWG Surwold Tag

Einigung auf Handelsabkommen steht

|   topnews

Indien und die EU haben sich auf ein Handelsabkommen geeinigt. Sensible Agrarprodukte sind von der Handelsliberalisierung ausgeklammert. Chancen für EU-Exporteure ergeben sich dennoch, weil Indien bislang sehr prohibitiven Zölle unter anderem für Olivenöl, Spirituosen und Backwaren abbaut. Sehr großes Wachtsumspotenzial sehen zudem der DRV und der DWV für den Absatz von deutschem Wein.

 

Nach rund zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben die EU und Indien sich auf den Abschluss eines Handelsabkommens geeinigt. In Neu-Delhi unterzeichneten beide Seiten am Dienstag (27.1.) die "Mutter aller Deals", wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Vereinbarung bezeichnete. Geschaffen wird ein Wirtschaftsraum mit knapp 2 Milliarden Menschen, der etwa ein Viertel der Weltwirtschaft umfasst. "In dieser zunehmend volatilen Welt entscheidet sich Europa für Zusammenarbeit und strategische Partnerschaften", erklärte von der Leyen im Anschluss an die Zeremonie. Nach Angaben der Kommission erreicht der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen Indien und der EU bislang jährlich einen Wert von mehr als 180 Mrd. Euro. Durch das Abkommen entfallen für europäische Exporteure Zölle in Höhe von rund 4 Mrd. Euro. Erwartet wird, dass sich die EU-Ausfuhren im Laufe der Zeit dadurch mehr als verdoppeln. Davon dürften vor allem der europäische Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche profitieren. Agrarsektor größtenteils ausgenommen Wie AGRA Europe berichtete, ist der Agrarsektor von der Handelsliberalisierung dagegen größtenteils ausgenommen. Der EU-Kommission zufolge beliefen sich die Agrar- und Lebensmittelexporte nach Indien 2024 auf insgesamt 1,3 Mrd. Euro, was lediglich einem Anteil von 0,6% an den gesamten Ausfuhren dieser Sektoren entsprach. Es besteht damit erhebliches Potenzial für eine Ausweitung des Handels. Zwar gibt es auch im EU-Agrarsektor Vorbehalte gegenüber einer vollständigen Marktöffnung. Sorgen um die Ernährungssicherung auf indischer Seite dürften aber den Ausschlag gegeben haben, dass sensible Bereiche wie Reis, Rind- und Hühnchenfleisch und auch Zucker vollständig ausgeklammert bleiben. Vor diesem Hintergrund konnten sich die indischen und europäischen Verhandler dennoch auf überraschend viele Handelserleichterungen bei einzelnen Produkten des Agrar- und Ernährungssektors einigen. Für die EU-Seite senkt Indien beispielsweise seine bislang außerordentlich hohen Zölle auf Wein, Spirituosen, Bier, Olivenöl, Wurstwaren sowie verarbeitete Lebensmittel wie Pasta, Backwaren und Schokolade. Konkret reduziert werden die Zölle mit einer Übergangszeit wie folgt: Wein: Aktueller Zollsatz 150%; künftiger Zollsatz 20% im Premiumsegment beziehungsweise 30% im mittleren Segment. Spirituosen: Aktueller Zollsatz bis zu 150%; künftiger Zollsatz 40%. Bier: Aktueller Zollsatz 110%; künftiger Zollsatz 50%. Olivenöl: Aktueller Zollsatz bis zu 45%; künftiger Zollsatz 0%. Kiwis und Birnen: Aktueller Zollsatz 33%; künftiger Zollsatz 10% innerhalb festgelegter Quoten. Fruchtsäfte und alkoholfreies Bier: Aktueller Zollsatz bis zu 55%; künftiger Zollsatz 0%. Verarbeitete Lebensmittel: Aktueller Zollsatz bis zu 50%; künftiger Zollsatz 0%. Schaffleisch: Aktueller Zollsatz 33%; künftiger Zollsatz 0%. Würste: Aktueller Zollsatz bis zu 110%; künftiger Zollsatz 50%. Betroffen sind damit vor allem Produkte, die einerseits nur wenig Bedenken bezüglich der heimischen Lebensmittelversorgung in Indien auslösen dürften, andererseits aber wegen ihres hohen Wertschöpfungsgrades großes ökonomischen Potenzial aufweisen. Copa-Cogeca loben das Abkommen Dass sensible Teile der EU-Landwirtschaft ausgeklammert werden, begrüßen die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (Copa) und ländlichen Genossenschaften (Cogeca). "Das Abkommen stärkt den Zugang zu einem wichtigen Wachstumsmarkt und erkennt gleichzeitig eindeutig die Notwendigkeit an, die sensibelsten Bereiche der europäischen Landwirtschaft und ihr Produktionsmodell zu schützen", teilten die Dachverbände mit. Demonstriert werde, dass eine "ambitionierte Handelspolitik" möglich sei, bei der gleichzeitig Schlüsselaktivitäten der heimischen landwirtschaftlichen Erzeugung geschützt würden. Der Verband des Agrarhandels (DAH) betonte dagegen, dass der jetzige Deal lediglich ein "Sprungbrett" für weitere Verhandlungen sein dürfe, um eine "echte Freihandelszone" einschließlich des Agrarsektors zu schaffen. Sensible Agrarprodukte zunächst auszunehmen, sei zwar ein pragmatischer Schritt gewesen, um das Abkommen zum Abschluss zu bringen, Indien enger an Europa zu binden und um Abhängigkeiten von China und Russland zu verringern, sagte DAH-Geschäftsführer Martin Courbier. Der europäischen Landwirtschaft entgingen damit allerdings kurzfristig Volumenmärkte. Mittel- bis langfristig bietet Indien aus Sicht des DAH ein großes Wachstumspotenzial, insbesondere für Premiumprodukte, verarbeitete Lebensmittel und Futtermittel. Große Absatzchancen für deutschen Wein Exportchancen sieht auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), vor allem für Wein. "Schon seit längerem steht Indien bei unseren Winzer- und Weingärtnergenossenschaften auf der Wunsch- und Prioritätenliste für den Weinexport ganz weit oben", kommentierte der Weinreferent und Leiter der Abteilung Lebensmittelwirtschaft, Peter Jung. Als aufstrebende Industrienation sei Indien ein hochattraktiver Markt. "Viele deutsche Rebsorten passen gut zur indischen Küche", so Jung. Bislang allerdings stellten Einfuhrzölle eine "unüberwindbare Hürde" für eine wirtschaftlich sinnvolle Vermarktung dar, erläuterte Jung. Die nun in Aussicht gestellte stufenweise Absenkung der Zölle auf zunächst 75 und schließlich auf 20 beziehungsweise 30% sei ein "wichtiges Signal für die unter wirtschaftlichem Druck stehende deutsche Weinwirtschaft". Schutz von Herkunftsangaben wird noch verhandelt Der Verband Deutscher Weinexporteure (VDW) begrüßte ebenfalls "nachdrücklich" das Abkommen. "In einer Zeit, in der die Weinbranche zunehmend geopolitischen Handelsspannungen und Störungen in traditionellen Exportmärkten ausgesetzt ist, stellt Indien eine strategische Alternative dar, die einen bedeutenden Beitrag zur Diversifizierung, Widerstandsfähigkeit und langfristigen Nachhaltigkeit der EU-Weinexporte leisten kann", sagte VDW-Vorsitzende Gerhard Brauer. Die EU-Weinbranche ist laut VDW der weltweit führende Exporteur mit Ausfuhren von mehr als 16,6 Mrd. Euro im letzten Kampagnenjahr. Im selben Zeitraum beliefen sich die EU-Weinexporte nach Indien jedoch lediglich auf 7,7 Mio. Euro. In der wachsenden urbanen indischen Mittelschicht sieht der Verband daher ein entsprechend großes Absatzpotenzial. Helfen würde zudem, wenn Indien europäische geografisch geschützte Angaben anerkennen würde, so der VDW. Eine solche Anerkennung ist derzeit noch nicht Gegenstand des Abkommens. Allerdings wird laut EU-Kommission aktuell darüber verhandelt. AgE

Börsenfenster

Wetter

Logo Acker24
Schriftzug Acker24 Schlagkartei
Slogan Acker24 Schlagkartei