• RWG Surwold Tag

35/2026

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Getreide: Die Einlagerung des Weizens beim Handel hat sich nach der Ernte 2025 für die meisten Landwirte nicht gelohnt. Wir beleuchten die Aussichten für die laufende Saison.

Die Aussichten für die Vermarktung der Weizenernte 2026 haben sich in der vergangenen Woche trotz eines leichten Kursrückgangs an der Euronext nicht verschlechtert. Der Internationale Getreiderat hatte am Donnerstag seine Prognose für die globale Weizenproduktion 2026/27 um vier Millionen Tonnen auf 817 Millionen Tonnen gesenkt. Kleinere Ernten als vor einem Monat erwartet der IGC in Großbritannien, der Europäischen Union und in Russland.

Auch die Ernte in Deutschland fällt kleiner aus als vor einigen Wochen erwartet, was die Preise am Kassamarkt gestützt hat. Die Preise für Futterweizen in Südoldenburg zogen in der vergangenen Woche weiter an. Für Lieferungen im August wurden am Freitag Franco Südoldenburg 230 Euro je Tonne bezahlt. Das waren 7 Euro mehr als in der Woche zuvor. Der Markt bewegt sich damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Mai 2025. Im Vergleich zum August 2025 sind die Preise um 40 Euro je Tonne gestiegen. Auch zur Ernte 2024 (215 Euro je Tonne) und 2023 (225 Euro je Tonne) lagen die Preise unter dem aktuellen Niveau.

Im vergangenen Jahr stieg der Futterweizenpreis in Südoldenburg von rund 190 Euro zur Ernte bis auf maximal 207 Euro im Mai 2026 an. Eine Einlagerung beim Landhandel hat sich damit nicht gerechnet. Etwas besser war die Bilanz für die Einlagerung nach der Ernte 2024, als im August 215 bis 220 Euro bezahlt wurden und sich die Preise nach einem Preisanstieg im Herbst bis in den Mai hinein auf einem Niveau zwischen 230 und 240 Euro bewegten.

Die weiteren Preisaussichten für die laufende Saison sind nur sehr schwer einzuschätzen und werden vor allen Dingen durch die Lage am Schwarzen Meer beeinflusst. Aktuell sind die Weizenexporte der Ukraine und Russlands weitgehend zum Erliegen gekommen. Russische Weizenverladungen finden weiter in den Häfen an der Ostsee statt, während am Schwarzen Meer nur noch sehr geringe Mengen umgeschlagen werden. Auch die Exporte der Ukraine über die Tiefwasserhäfen in der Region Odessa liegen seit einigen Wochen still. Die alternativen Transportrouten über die Donauhäfen sowie über Bahn- und Lkw-Transporte nach Rumänien und Polen werden zwar wieder reaktiviert, reichen aber nicht aus, um die für die Ukraine üblichen Mengen ins Ausland zu liefern.

Kurzfristig deutet nichts darauf hin, dass sich die Situation am Schwarzen Meer entspannt. In den kommenden Monaten ist es aber durchaus möglich, dass die beiden Konfliktparteien über Verbesserung der Sicherheitslage bei den Getreidetransporten verhandeln und eine ähnliche Lösung finden wie nach dem Beginn des Krieges im Jahr 2022. Sollte dies geschehen, würden die Weizenpreise deutlich nachgeben, da dann große Mengen aus Russland und der Ukraine, die derzeit noch im Landhandel und auf den Höfen lagern, auf den Weltmarkt geworfen würden.

Dies bedeutet, dass es bei Weizen vorerst durchaus weiteres Preispotenzial nach oben gibt. Je stärker die Preise steigen, umso größer wird aber auch der Druck auf Russland und die Ukraine, ihrer Verantwortung für die globale Lebensmittelversorgung gerecht zu werden. Bei einer Wiederaufnahme der russischen und ukrainischen Exporte ist damit zu rechnen, dass die aktuelle Risikoprämie (unserer Einschätzung nach rund 20 bis 25 Euro je Tonne) wieder abverkauft wird.

In der aktuellen Situation lohnt sich auch ein Blick auf die Ernte im kommenden Jahr. Der Kurs für den September 2027 liegt an der Euronext auf einem Niveau von rund 230 Euro, was im historischen Vergleich viel ist. Das aktuell hohe Preisniveau wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Weizenfläche auf der Nordhalbkugel bei der Aussaat im Herbst ausgeweitet wird, was die Kurse für die Ernte 2027 unter Druck setzen könnte. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine im Laufe des kommenden Jahres entspannt.

Für Landwirte, die ihren Weizen beim Landhandel einlagern und dafür Lagergeld zahlen müssen, stellt sich nun die Frage, ob es sinnvoll ist, Teilmengen auf dem aktuellen Preisniveau zu vermarkten oder in der Hoffnung auf weiter steigende Preise abzuwarten.

Die Entscheidung hängt stark von den jeweiligen Konditionen für die Einlagerung ab. Bei Lagerkosten von 2 Euro je Tonne und Monat sind bis Mai 2027 rund 20 Euro je Tonne fällig. Grundsätzlich spricht aus unserer Sicht einiges dafür, 50 Prozent der Ernte 2026 zu vermarkten; auch eine größere Menge erscheint bei hohen Lagerkosten vertretbar. In den kommenden Wochen muss der Markt genau beobachtet werden. Bei weiter steigenden Kursen sollten diese für Anschlussverkäufe genutzt werden.

Für die Ernte 2027 erscheint auf dem aktuellen Niveau eine Vermarktung von rund 30 Prozent der erwarteten Menge sinnvoll, da die Korrekturgefahr für die Saison 2027/28 deutlich größer eingeschätzt wird.

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