Getreide: Nach der Euphorie am Wochenanfang an der Euronext pendelten die Kurse an beiden Börsen wieder zurück, als für die nördlichen US-Regionen Niederschläge prognostiziert wurde, was belastete.
Der Weizenmarkt stand gestern vor allem in Chicago unter erheblichem Abgabedruck, Hauptauslöser waren Regenprognosen für die US-Nordebenen, die Befürchtungen über eine Verzögerung der Sommerweizenweizenernte zunächst abschwächten und die Notierungen auf ein 4-Monats-Tief drückten. Gleichzeitig zeigte der USDA Crop Progress Report, dass der US-Winterweizenerntefortschritt bis zum 21. Juni auf 40 % der Fläche vorangeschritten ist – das schnellste Tempo seit 14 Jahren und 16 Prozentpunkte über dem 5-Jahres-Schnitt. Dieser rasche Erntedurchlauf erhöhte den Angebotsdruck auf die US-Märkte.
Die US-Winterweizenbewertungen sanken laut USDA Crop Progress Report um einen Prozentpunkt auf 26 % gut/sehr gut – ein Stand, der laut Marktbeobachtern der niedrigste seit 20 Jahren für Mitte Juni ist. Dieser Wert wirkte zwar grundsätzlich preisstützend, konnte den Abgabedruck durch den zügigen Ernteverlauf und die Wetterprognosen jedoch nicht ausgleichen. Die Sommerweizenbewertungen lagen bei 54 % gut/sehr gut, ebenfalls einen Prozentpunkt schwächer als in der Vorwoche.
Aus dem Schwarzmeerraum kamen gemischte Signale. SovEcon senkte seine Schätzung für die russische Weizenernte 2026/27 um 1,4 Mio. t auf 88,9 Mio. t und begründete dies mit geringeren Sommerweizenflächen – die Gesamtanbaufläche von 25,8 Mio. Hektar ist die niedrigste seit 12 Jahren. Dem stand eine Anhebung der ukrainischen Ernteschätzung durch Argus um 0,6 Mio. t auf 24,1 Mio. t gegenüber, gestützt auf bessere Erträge in den südöstlichen Regionen. In der Ukraine gaben die Exportpreise für Weizen weiter nach: Mahlweizen wurde mit 216–218 US-Dollar/t FOB Schwarzmeerhäfen gehandelt, während die Ukraine-EU-Jahresexportquote bereits seit dem 1. Juni vollständig ausgeschöpft ist.
Ein zusätzlicher struktureller Risikofaktor für das russische Angebot ist eine schwere Treibstoffkrise, die durch Schäden an der Raffinerieinfrastruktur ausgelöst wurde. Die Verarbeitungskapazität soll um 20–30 % gesunken sein, was in mehr als 50 Regionen – darunter wichtige Anbaugebiete wie Krasnodar, Stawropol und das Wolgagebiet – zu Engpässen führt. Dieselpreise liegen 40–90 % über dem Frühjahrsniveau, und Tankstellen rationieren den Verkauf. Damit besteht ein unmittelbares Risiko von Unterbrechungen zur Erntespitze. Die Angaben sind politisch geprägt und nicht unabhängig bestätigt; die russische Regierung versucht gegenzusteuern.
In Frankreich sorgt eine anhaltende Hitzewelle für Besorgnis über die Weizenqualität während der Kornfüllungsphase. Laut FranceAgriMer lagen die französischen Weichweizenbewertungen zum 15. Juni bei 76 % gut/sehr gut (minus 1 Prozentpunkt), was zwar deutlich über dem Vorjahreswert von 68 % liegt, aber die Hitzerisiken noch nicht vollständig widerspiegelt. Analysten warnen, dass selbst eine moderate Ertragsminderung in Europa die globalen Versorgungsbilanzen straffen und die Preise stützen könnte.
Der von US-Präsident Trump angekündigte Vorschlag, freigegebene iranische Guthaben für den Kauf amerikanischer Agrarprodukte – darunter Weizen – zu nutzen, wurde von Teheran zurückgewiesen. Der iranische Zentralbankchef erklärte, es bestünden keine derartigen Verpflichtungen. Für die Weizenmärkte bleibt ein möglicher Zusatzabsatz damit vorerst unsicher und von weiteren Verhandlungen abhängig. Stützend wirkt hingegen die vereinbarte sichere Passage durch die Straße von Hormus, die als Transitroute für Energie- und Düngemittelvorprodukte die Logistikkosten entlasten könnte.
Die Marktteilnehmer an den internationalen Agrarbörsen sehen weiterhin keine Getreidegeschichte. Es sind auch kaum Berichte über die Hitzewelle in der EU zu finden, die die Marktteilnehmer an den Börsen nervös werden lassen müssten. Somit warten die Marktteilnehmer auf neuen Input.






