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22/2026

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Getreide: Die Weizenkurse an der Euronext haben sich in den vergangenen zwei Wochen erholt. Die weitere Entwicklung hängt vor allem vom Wetter ab.

Weizen war an der Euronext am 8. April bis auf 206,25 Euro je Tonne gefallen und schloss am vergangenen Mittwoch bei 216,75 Euro je Tonne und damit nur knapp unter dem am 13. März erzielten Sieben-Monats-Hoch von 217,50 Euro je Tonne. In den drei folgenden Handelstagen ging es dann wieder bis auf 212,50 Euro nach unten.

Weizen folgte an der Euronext den Kursen an der CBoT, wo der Frontmonat Juli am 7. Mai auf ein zwei Wochen-Tief von 612,25 Cent je Bushel fiel. Am 12. Mai schloss der Future auf einem Elf-Monats-Hoch von 679 Cent je Bushel, was innerhalb von drei Handelstagen ein Plus von knapp 11 Prozent entsprach. Am 27. Mai notiert Weizen in Chicago bei 627 Cent je Bushel.

Stärkster Einflussfaktor auf dem Weizenmarkt war in den vergangenen Wochen die Veröffentlichung des WASDE-Reports durch das US-Agrarministerium am 12. Mai.

Die Ernte in den USA wurde dabei auf nur 42,5 Millionen Tonnen geschätzt, das sind 21 Prozent weniger als im Vorjahr und es ist die kleinste US-Ernte seit 70 Jahren. Gründe für den Einbruch der Produktion sind der Rückgang bei der Erntefläche um 11,6 Prozent und bei den Erträgen um 10,9 Prozent. In den Bundesstaaten Kansas, Texas, Colorado, Oklahoma, Texas und Nebraska, die in normalen Jahren zusammen rund 45 Prozent des US-Weizens produzieren, hat eine monatelange Dürre die Weizenpflanzen geschädigt. Der am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlichte Crop Progress Report zeigte das ganze Ausmaß der Dürreschäden in den USA. Das USDA stufte 26 Prozent der Winterweizenflächen des Landes als in gutem bis ausgezeichnetem Zustand ein, was einem Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche entspricht. Es ist die schlechteste Bewertung für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1986.

Das Wichtigste in Kürze:

Kurse: Euronext-Weizen erholt (zuletzt 216,75 €/t), dann zurück auf 212,50 € – Richtung wetterabhängig.

US-Ernte: WASDE schätzt nur 42,5 Mio. t (−21 %), dürrebedingt; Crop-Progress-Bewertung schlechteste seit 1986.

EU-Vorteil: EU-Weizen dank schwachem Euro günstiger als US-Ware, ungewöhnliche Exportgeschäfte.

Nachfrage schwach: Importeure zögern wegen Golf-Konflikt und guter eigener Ernten.

Risiken: Hitze/Omega-Lage in Europa kurzfristig, El Niño für 2026/27.

Weizen in der EU ist nun deutlich billiger als in den USA, wozu auch der schwächere Euro beigetragen hat. Dadurch sind ungewöhnliche Exportgeschäfte zustande gekommen. So berichtet Reuters davon, dass Mühlen an der US-Ostküste mehrere Hunderttausend Tonnen polnischen Weizen gekauft haben. Im Markt kursieren zudem Gerüchte, wonach französischer, deutscher, polnischer und russischer Weizen an Mexiko verkauft worden sei, einen für EU-Weizen ungewöhnlichen Abnehmer. Auch in Westafrika ist Weizen aus der EU nun billiger als Weizen aus den USA. Im ersten Halbjahr hatten die US-Exporteure die Lieferungen in diese Region stark steigern können, die traditionell ein wichtiger Absatzmarkt für deutschen Weizen ist. Im Juni öffnet sich für deutschen Weizen mit Indonesien ein weiterer wichtiger Absatzmarkt. Indonesien ist gemeinsam mit Ägypten der größte Weizenimporteur der Welt. Die Lieferungen der EU in den südostasiatischen Inselstaat schwankten in den vergangenen Jahren stark und erreichten in der Saison 2023/24 mit 1,12 Millionen Tonnen einen Rekord.

Die Exportnachfrage ist in der EU trotz der günstigeren Preisverhältnisse aber weiter schwach. In den meisten Importnationen herrscht derzeit Kaufzurückhaltung. Dies hat zwei Gründe. Die Importeure hoffen auf ein Ende des Konflikts am Persischen Golf, da sie davon ausgehen, dass danach die Agrarmärkte insgesamt unter Druck geraten könnten. Zum andern fällt die Weizenernte in dieser Saison in wichtigen Importnationen deutlich besser aus als in den vergangenen Jahren. Länder in Nordafrika und im Mittleren Osten können sich so vorerst aus der reichlich vorhandenen einheimischen Produktion versorgen.

In den kommenden Wochen wird neben dem Golf-Konflikt das Wetter den entscheidenden Einfluss auf die Weizenernte haben. Mitteleuropa wird gerade von einer Hitzewelle getroffen, die mit einer Omega-Wetterlage einhergeht. Ein Hochdruckgebiet über den britischen Inseln wird von zwei Tiefs im Osten und Westen flankiert. Bis zum Wochenende soll es heiß bleiben. Wettermodelle gehen mehrheitlich davon aus, dass es ab Anfang Juni zu einem Wetterumschwung kommen wird. Es besteht aber auch weiter die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuelle Situation über einen längeren Zeitraum anhält. In diesem Fall könnten Hitze und Trockenheit zu Ertragseinbußen in Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland führen.

In den kommenden Tagen sollte die Wetter- und Kursentwicklung aufmerksam beobachtet werden. Weiter steigende Kurse für die neue Ernte sind möglich und sollten für die Vermarktung von Restbeständen aus der alten Ernte genutzt werden. Sollte es aber wieder kühler und feuchter werden, ist mit rückläufigen Preisen zu rechnen.

Für die gesamte kommende Saison 2026/27 besteht mit dem pazifischen Wetterphänomen El Niño ein weiteres Risiko, das die Ernten in Australien, Indien und China negativ beeinflussen könnte. Aktuell sind sich Meteorologen einig, dass der Umschwung von einer neutralen Phase zu El Niño erfolgt. Unklar ist aber noch wie lange und wie stark der El- Niño-Effekt ausfallen wird.

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