Getreide: Der Handel an der Euronext litt am Dienstag unter dem festeren Euro. In den USA steigen die Sorgen vor Dürre-Schäden.
Die Weizen-Futures an der Euronext legten am Dienstag überwiegend leicht zu. Der Frontmonat Mai schloss unverändert bei 195,75 Euro je Tonne, der September verbuchte ein Plus von 0,25 Euro auf 205,75 Euro je Tonne. In den USA legte Weizen an allen drei Börsen wie schon am Montag deutlich zu. An der CBoT schloss der Frontmonat Mai mit einem Plus von 9,75 Cent bei 592 Cent je Bushel.
Händler richteten am Dienstag ihre Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Erwartungen an die neue Ernte, da es im Konflikt zwischen dem Iran und den USA kaum neue Nachrichten gab. An der Euronext litt Weizen unter einem deutlich festeren Euro, der gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand seit Anfang März stieg. Auch sinkende Ölpreise wirkten an den Agrarmärkten preisdämpfend.
Russlands Landwirtschaftsministerium schätzt, dass sich derzeit 97 Prozent der Winterkulturen in gutem und zufriedenstellendem Zustand befinden, wie die Nachrichtenagentur TASS berichtete. Der Wert liegt damit über den 87 Prozent im März 2025. In Russland wird wieder eine sehr gute Ernte erwartet, was die Stimmung an der Euronext trübte. Die Länder in Nordafrika beginnen bereits mit der Ernte, für die teilweise Rekorderträge vorhergesagt werden. Das Angebot aus der neuen Ernte wird den Importbedarf kurzfristig deutlich dämpfen und könnte in der Saison 2026/27 insgesamt zu einem Rückgang der Importe führen.
In den USA warten die Landwirte weiter auf Regen. Die Wettervorhersage für die kommenden zehn Tage zeigt, dass es in Teilen von Texas und Kansas trocken bleiben wird. Dort leidet der Hard Red Winter bereits unter Dürre. In den Anbaugebieten von Soft Red Winter werden dagegen weitere Niederschläge erwartet.
An der Euronext belasteten erneut schwache Exportzahlen die Stimmung. Die Weichweizenexporte der Europäischen Union seit Beginn der Saison 2025/26 im Juli hatten bis zum 12. April 18,574 Millionen Tonnen erreicht, verglichen mit 18,263 Millionen Tonnen eine Woche zuvor und einem Anstieg von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus Daten der Europäischen Kommission vom Dienstag hervorgeht. Eine Aufschlüsselung der Mengen dieser Saison zeigte, dass Rumänien mit 6,22 Millionen Tonnen weiterhin der größte Weichweizenexporteur der EU war, gefolgt von Frankreich mit 4,85 Millionen, Polen mit 2,37 Millionen, Litauen mit 1,81 Millionen und Deutschland mit 1,51 Millionen.
Der US-Dollar verliert gegenüber vielen Währungen (Euro, brasilianischer Real, russischer Rubel) an Wert.
Der Rohölpreis gibt nach, ebenso fallen die Dieselpreise in Rotterdam. Diese Entwicklung verstärkt zunehmend den Eindruck, dass die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Iran-Kriegs –wie wir es gestern bereits geschrieben hatten –nachlassen. Damit richten Marktteilnehmer ihren Blick zunehmend auf den Zeitpunkt, an dem neue Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung des Krieges beginnen könnten (noch in dieser Woche, wie so oft am Wochenende?).Interessante Entwicklungen lassen sich derzeit auch im Düngemittelmarkt beobachten.
Indien startet eine Importausschreibung für Stickstoffdünger: Die ausgeschriebene Menge von 2,5 Mio. t übertrifft einen normalen Import für dieseJahreszeit von rund 1,5 Mio. t deutlich. Das deutet darauf hin, dass Indien offenbar Reserven aufbauen möchte. Reserven aufzubauen dürfte auch im Getreidemarkt in den kommenden Wochen das wichtigste Thema für asiatische und afrikanische Länder werden. Kommen nun zusätzlich neue Anfragen und neue Geschäfte? Auf dem Papier sollten die Weizenvorräte in den Exportländern weiterhin hoch sein.
Für russischen Weizen scheint jedoch entweder die Nachfrage zu fehlen oder die Ware ist nichtverfügbar. Der Export dort scheint im April ins Stocken zu geraten. Die Exporterwartungen für April werden sukzessive gesenkt und sollen nun die wichtige Marke von4 Mio. t nicht mehr überschreiten (ist wirklich das Wetter schuld?), nach 4,7 Mio. t Weizenexporten im März. Die eigentlichen Gewinner dieser Phase –was auch für Rohöl gilt –scheinen derzeit die USA zu sein. Der schwächere US-Dollar hilft erheblich, vor allem gegenüber starken Exportregionen wie Europa oder Brasilien. Insbesondere der Sojabohnen-und Sojaschrotexport könnte wieder stärker in den Fokus rücken. Die argentinische Sojabohnenernte 2026 ist aufgrund starker Niederschläge verzögert, der brasilianische Real zeigt sich sehr stark, und der Sojabohnenexport rechnet sich dort weniger. Zudem müsste China normalerweise neue Sojabohnenkäufe tätigen. All dies ergibt eine sehr interessante Entwicklung, die kurz vor dem großen Treffen der beiden Länder Mitte Mai zu beobachten ist.
Empfehlung: Teilmengen der Getreideernte 2026 im Verkauf absichern!






